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Regionaltagung

SGMI Alumni "Schweiz - International"

Interkultureller Austausch vor dem Hintergrund einer sich globalisierenden Welt

SGMI Alumni «Schweiz-International» trifft sich zum Thema „Interkultureller Austausch vor dem Hintergrund einer sich globalisierenden Welt“ 

Die Globalisierung stellt eine grosse Herausforderung dar. Die internationalen Wirtschaftssysteme sind eng verknüpft, Güter und Dienstleistungen werden weltweit ausgetauscht. Bei diesen Transaktionen kommt man zwangsläufig mit anderen Kulturen in einen intensiven Kontakt. Interkulturelle Kompetenz ist gefragt und heutzutage eine wichtige Qualifikation für ein erfolgreiches Berufsleben.

Der Mittlere Osten, Orte wie Dubai, Kuwait oder zum Beispiel die Länder Saudi Arabien und Ägypten erleben einen regelrechten wirtschaftlichen Boom. Die Verbindungen mit diesem Wirtschaftsraum sind demzufolge eng mit dem unserigen verknüpft. Welche Werte und Gepflogenheiten werden in diesen Ländern gelebt und gepflegt? Zudem leben mitten unter uns zahlreiche Muslime, welche die religiösen Werte des Islams pflegen.

In der Moschee in Winterthur erklärte Herr Fatih Dursun, Dipl. Ing. FH und Vertreter der Vereinigung Islamischer Organisationen Zürich, die fünf Säulen des Islams – Glaubensbekenntnis, Gebet, Sozialabgabe, Fasten und Pilgerfahrt - und führte aus, dass die Moschee eine religiös-kulturelle Einrichtung sei. Ein Treffpunkt für Gläubige. Hier werden neben den Gottesdiensten und den fünfmaligen Gebeten auch die islamischen Festtage und Anlässe der Gemeinde begangen. Nach der Tradition ist die Moschee auch ein Ort, um Wissen zu erwerben und so steht je nach Möglichkeiten ein Bildungsangebot in Form von Seminaren, Kursen, Führungen, usw. für die Gemeinde und weitere Interessenten zur Verfügung. Die Muslime begreifen die Moschee als öffentliche Einrichtung, die auch von Nichtmuslimen jederzeit besucht werden kann.

Des Weiteren verwies Herr Dursun auf die vielen Gemeinsamkeiten zwischen dem Christentum und dem Islam. Wichtig sei dabei, die eigenen Werte und Überzeugungen gut zu kennen, um das Positive auf beiden Seiten zu erkennen. Dies sei die Grundlage für eine gemeinsame und prosperierende Zukunft.

Herr Khaldoun Dia Eddine, Schweizer mit Syrischen Wurzeln und Dozent für Islamische Wirtschaft und Finanzen erklärte, dass es zwangsläufig zu Interaktionen zwischen den konventionellen und islamischen Wirtschaftswelten komme. Die moderne wirtschaftliche Umgebung in der islamischen Welt ist während der Kolonialzeit entstanden. Der Islam betrachtet die wirtschaftlichen Werte als einen integrierten Teil (Fluss und Einheit des Wissens) und schätzt Werte wie Gerechtigkeit, Tugend und Aufmerksamkeit für alle Menschen. Die Frage sei, wie man die ethischen Werte in die Wirtschaft integrieren könne?

Grundsätzlich sei dabei jeder verpflichtet, seinen Lebensunterhalt durch eigene Arbeit zu bestreiten. Das Entstehen von Gewinn der einen Seite darf keinen Verlust für die andere Seite erzeugen. Reichtum kann auf legitime Weise durch Arbeit oder Erbschaft erworben werden. Der Fluss des Reichtums wird empfohlen und unterstützt. Der Transfer des Eigentums wird beispielsweise durch folgende Regeln bestimmt: der Verkauf zum entsprechenden Gegenwert, ein Geschenk ohne Gegenwert, ein Darlehen mit späterer Rückzahlung des gleichen Betrages (ohne Zins) oder – ähnlich wie in unserem Kulturraum – die Sicherung eines Garantiegegenstandes bei der Vergabe von Hypotheken. Eine Transaktion müsse dabei frei sein von Unsicherheit, Betrug oder Täuschung. Alle Elemente einer Transaktion müssen klar beschrieben werden, damit kein Zweifel über den ganzen Transaktionsprozess entstehe.

Der Gewinn ist in der islamischen Wirtschaft definiert durch den Beitrag in Form von Arbeit, Risiko, Erfahrung oder Know-how an ein Unternehmen. Es sei demnach gerechter, wenn der Kreditor wie auch der Debitor jeweils einen Teil des Risikos übernehmen und damit auch einen pre-definierten Teil des dazugehörenden Gewinnes. 

Herr Dia Eddine führte uns schliesslich in die Thematik des Islamic Banking ein. Islamic Banking ist ein System der Finanzvermittlung, welches Einnahmen und die Auszahlung von Zinsen vermeidet. Die Operationen eines solchen Systems basieren dabei auf der jeweiligen Erfolgs- bzw. Verlustbeteiligung. Es entsteht dadurch ein neuer Typ von Beziehung zwischen Bank und Geldanlegern, wie auch zwischen Banken und Geldbenutzer. Diese Art und Weise von Beziehung führt zur Integration von Finanzwelt und dem realen Markt. Das islamische System legt dabei viel Wert auf die ethische, moralische, soziale und religiöse Dimension.

Der SGMI Alumni-Anlass konnte im Anschluss an die aufschlussreichen Referate und angeregten Diskussionen durch einen kleinen Imbiss in gemütlicher Runde abgerundet werden. Spannende Referate zu aktuellen Themen und verbunden mit geselligem Beisammensein werden die nächste Alumni-Veranstaltung ebenso prägen. Wir freuen uns jetzt schon darauf.

Peter Bachofner, Regionalleiter

Datum: 12.04.2007

Kontakt: Peter Bachofner